„Ich weiß ‚ES‘“, „Mein Herz“ und „Abi-Nachtreffen“

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Es war eine schöne Abwechslung am Freitag Morgen, anstatt Analysen, Vergleichen oder Charakterisierungen  mal etwas zu schreiben, was richtig „krass“ ist. Etwa dreißig Schüler und Schülerinnen von Klasse 9 bis zur Q1 warteten in der ersten Stunde auf die drei angekündigten Poetry-Slammer Theresa Hahl, Sulaiman Masomi und Andreas Weber. Sie kamen etwas zu spät, weil das Navi ausgefallen war, und das ausgerechnet in den Irrungen und Wirrungen St.Arnolds, aber so konnte Frau Brincks schon einmal eine kleine Einführungsrunde veranstalten und dann dauerte es auch nicht mehr lange, bis die drei Slammer den Weg gefunden hatten. 

 

Bildschirmfoto 2016 01 18 um 06.25.40Sie stellten sich vor und erklärten noch einmal, was genau das eigentlich ist, ein „Poetry-Slam“. Ist das jetzt nur Dichtung? Geschichten vorlesen? Die Antwort: Ein Literaturwettstreit, bei dem das Publikum Jury ist. Jeder Slammer, erzählten sie, bekommt auf der Bühne (die manchmal nur ein Bierkasten mit einem daran geklebten Besenstiel als Mikroständer ist) etwa fünf bis zehn Minuten, seinen Text vorzutragen. Dabei kommt es tatsächlich nur auf den Text an, wer also in einem Froschkostüm herumspringt und versucht, eine Comedy Nummer abzuziehen, läuft Gefahr, von der Bühne geschickt zu werden. Das Publikum kann die Poeten mit den Punkten eins bis zehn bewerten, bis ein Gewinner feststeht.

 

Dann konnten die Schüler eine Kostprobe bekommen, die auch das letzte Misstrauen (War es  wirklich wert, dafür die ersten vier Stunden zu verpassen?) verschwinden ließen. Es war ziemlich interessant und vor allem witzig, im Text „Ich weiß ‚Es‘“ von Sulaiman Masomi zu erfahren, dass Urin nicht leuchtet, wenn man genügend Glühwürmchen isst und dass bloß ein Satz erheblichen Schaden anrichten kann. Die geballte Lyrik in „Mein Herz“, voller bunter Bilder, von Theresa Hahl, war dann eher das Gegenteil: Berührend, ernst und tiefsinnig. Aber man wurde auch schnell wieder aufgemuntert: das Abi-Nachtreffen von Andreas Weber ließ einige komische, aber auch ziemlich schockierende Aussichten auf die nächsten zwanzig Jahre erahnen. Dass bei diesen Schülern auch die Lateinlehrerin draufgeht, will man nicht hoffen.

 

Bildschirmfoto 2016 01 18 um 06.25.31Sulaiman Masomi und Theresa Hahl nahmen sich der Schüler schließlich in zwei Gruppen an, während Andreas Weber immer wieder zwischen beiden hin und her pendelte. Um die Stimmung ein bisschen aufzulockern, durfte zuerst ein Schwamm beschrieben werden. Erst war er ganz okay, dann eigentlich total super und am Ende war der Schwamm Batman. Aber dann war er eher weniger cool, ziemlich ekelig und schließlich schuld an den Weltkriegen. Dann war man bereit für die erste richtige Schreibübung: Nachdem man das Alphabet aufgeschrieben und zu jedem Buchstaben ein Wort gefunden hatte, sollte man diese für einen kurzen Vorstellungstext verwenden, der jedem ziemlich gut gelang.

 

Bildschirmfoto 2016 01 18 um 06.25.50Nach der Pause war dann auch nur noch eine Stunde übrig, in der erst Worte zum Thema Sommer gesammelt wurden. Soweit sah das ganz gut aus, bis es hieß: „Dann beschreibt mal den Sommer, aber ohne diese Worte.“ Dabei kam dann schon mal ein zweigeteilter Einteiler, ein gelbes, rundes Ding am Himmel oder ein mit Nässe gefülltes Loch heraus. Auf jeden Fall war es aber sehr amüsant.

 

Wahrscheinlich hätte es noch den ganzen Tag so weiter gehen konnten, denn es machte wirklich sehr viel mehr Spaß, seiner Kreativität freien Lauf zu lassen, als sich an komplizierte Fachausdrücke halten zu müssen.

 

Doch leider war nach der vierten Stunde Schluss. Die Poetry-Slammer wurden mit Applaus verabschiedet, die Schüler mit frischen Texten in der Tasche wieder zum Unterricht geschickt. Wer wollte, konnte am Abend noch an einem waschechten Poetry-Slam in Münster teilnehmen und sich trauen, vor Publikum zu lesen. Aber auch allein der Workshop hat sich gelohnt und vielen sicherlich Klarheit über diese Art des Schreibens und Zuhörens verschafft. Vielen Dank an Theresa Hahl, Andreas Weber und Sulaiman Masomi für einen abwechslungsreichen und lustigen Vormittag, und an Frau Brincks, dass dies alles überhaupt möglich war. Es ist eine Wiederholung auf jeden Fall wert!

Tags: Deutsch, Poetry Slam,